Schon gewusst?

Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens und der ungebremst steigenden Nachfrage nach Verbrennerfahrzeugen, werden Zulassungen in Shanghai nicht vergeben, sondern versteigert. Damit kann die Zulassungsrate begrenzt werden und der Preis der Zulassung orientiert sich an der Nachfrage. Aktuell bekommt man den Zuschlag für eine Zulassung für schlappe 5000 €.

Zudem besteht – zumindest auf Motorräder – eine Importsteuer von 50 %. Für eine importierte, neue BMW 1200 GS inklusive Zulassung in Shanghai würde derzeit also ein Preis von rund 38.000 € anfallen. Da wird der kleine Elektroscooter doch wieder interessant.

Ich selbst werde mich nächste Woche übervorbildlich nach einem Fahrrad umschauen. Zum erkunden zu Fuß ist die Stadt einfach zu groß, und hop-on, hop-off Busse gibt es hier leider nicht. Ich denke da entweder an ein vollausgestattetes China-Rad, oder ein geleastes Single-Speed. Je nachdem wie die Angebote hier so stehen. Ob ich damit in der Sommerhitze allerdings zur Arbeit fahren werde sei nochmal da hingestellt.

Von den Vorteilen der Mobilität noch zu einem Nachteil:

Es gibt hier sehr viele mobile Imbissbuden. Fahrräder mit einer zweispurigen Hinterachse und einer kleinen Ladefläche, auf der meist ein vollausgestattetes japanisches Tepanyiaki-Restaurant mitgeführt werden kann. Man bekommt dort häufig günstiges und fast immer ausgesprochen leckeres Essen! Der einzige Nachteil dabei ist, auch wenn man mit einer Bude schon gute Erfahrungen gemacht hat, man kann sich nie sicher sein, dass sie am nächsten Tag auch noch da ist. So ging es mir gestern Abend, als ich auf der Suche nach Abendessen die Gegend hier abgelaufen bin. Leider waren alle Mob-anyiaki Restaurants bereits zu; also weg, und ich musste mir etwas anderes suchen.

Wenn man denkt man hätte Alles gesehen…

Siphon im Eigenbau

Ein Handwerker ist gerade bei mir in der Wohnung, um mein improvisiertes Siphon zu reparieren. Auch wenn ich mir denke, dass er einiges gewohnt ist, ein wenig überrascht staunt er ja schon über die Konstruktion mit zwei Bierdosen ;)

… ein wenig später…

Ich drehe mich um, der Handwerker ist verschwunden, meine Vermieterin zeigt nur auf den Abfluss, sagt „this is okay“, dreht sich um und geht. Ich freu  mich. In der Erwartung ein funkelndes neues Siphon zu finden blicke ich unter die Spüle. Pustekuchen!

Anscheinend hatte der Handwerker an meiner Improvisation nichts auszusetzen, hat sich gedacht „never change a running system“ und hat den Job fröhlich als beendet erklärt. Nun sitze ich etwas ungläubig in meinem Sessel uns lache.

Schon gewusst?

Die Volksrepublik China hat nur eine Zeitzone. Diese ist so angesetzt, dass es irgendwo in der Mitte des Landes einen Breitengrad gibt, an dem Sonne und Horizont um zwölf Uhr mittags den größten Winkel des Tages erreichen. Shanghai liegt im Westen des Landes und der Weg ins Landesinnere ist weit… Ergo geht die Sonne hier leider schon um 5 Uhr morgens auf, was täglich zu einem erschreckenden Erwachen führt, das meistens von den Worten „Shit! Ich hab verschlafen!“ begleitet wird. Abends ist es dagegen schon um sieben Uhr dunkel. Wenn nicht gerade Wochenende ist, und man den Tag nicht bis 18:30 im Büro verbringt, hat man also leider sehr wenig vom Tag.

Park Tavern – what a lovely Place!

So zeigt die Park Taverne in Shanghai heute Abend tatsächlich das Wahnsinns Spiel von MAN City von gestern Abend. So viele Ecken, Freistöße und einen so einseitigen Angriff habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Für diese Spannung Liebe ich Fußball, auch wenn ich schon weiß wie es ausgehen wird genieße ich die letzten zehn Minuten bei einem Tiger aus einem tiefgefrorenen Bierglas. Sportlich ging es auch am Wochenende zu. Im O’Malleys wurde das DFB Pokalfinale übertragen. Man muss Dortmund ja gratulieren. Trotz großer Erwartungen, so viel Ereignis hat man dann doch nicht erwartet! Das peitscht die Spannung vor nächstem Samstag noch einmal gewaltig; ich bin gespannt, wie sich die Bayern erholen und ob sie gegen Chelsea auftrumpfen können, wie zuletzt gegen Real. Das Pokalfinale haben Robert und ich übrigens mit dem Papa von dem Drummer der Band Juli geschaut; er heißt Werner. Werner war nett; er gab Bier aus. Aber auch sonst, ein geselliger Zeitgeselle, der bei IKEA arbeitet und mit dem ich ein bisschen Schwedisch sprechen konnte. Überraschend, aber lustig.
Am Samstag habe ich mir hier eine neue Sprachschule angeschaut. Einen guten Eindruck hat sie gemacht, die Lehrer waren nett und kompetent; aber 600 € für ein halbes A1 Level finde ich einfach ein bisschen viel. Und zweimal wöchentlich nach der Arbeit noch in die Sprachschule, das ist doch ein bisschen anstrengend. Im Anschluss an den Tag der offenen Tür waren Robert, Jan-hui und ich noch Essen; chinesisch ;) Das Essen war ganz hervorragend! Von den Morcheln und dem Brokkoli bis hin zur Ente, dem Rind und dem Schwein, allesamt in vorzüglichen Soßen. Ohne lokale Hilfe ist sowas schwer zu finden, darum merk ich mir alle Speisen. Wenn mich dann einer von euch besuchen kommt, gehen wir dahin und ordern die gleichen leckeren Sachen einfach nochmal! Das Ambiente in dem Lokal erinnerte mich an Lokal Szenen aus Filmen, deren Handlung in den 1920ern in Europa spielt. Kleine Tische, vergoldete Spiegel und vornehme Einrichtung. Dann die Leute, die an den Tischen beim Essen rauchen und Schnaps aus Flaschen trinken, über ein Glas als Vermittler. Im Nebenraum muss eine Art Geburtstagsfeier gewesen sein. Ständig standen die Leute beieinander, schenkten sich die Gläser voll, hoben sie sich gegenseitig an den Mund bis sie leer-getrunken waren und machten Brüderschafts-trinken. Besonders der chinesische Zwilling von Diddi-Hallervorden (?) war stark dabei und motivierte seine Verwandtschaft und sich kräftig zum weiterfeiern. Glücklicherweise saß ich in einiger Entfernung, so dass ich das Spektakel ungefährdet beobachten konnte.
So spannend es in Shanghai ist, eine Sache muss ich doch noch loswerden. An die grausige Angst, die ich jedes Mal im Taxi hier erleide, werde ich mich wohl nie gewöhnen. Paradebeispiel Samstagabend: Ich war ja froh ein Taxi erwischt zu haben, es regnete. Da setze ich mich rein, und erkläre dem Taxifahrer in perfektem Chinesisch „Xujiahui“ -> da will ich hin. Er labert irgendwas in Chinesisch und fährt einfach mal los, schaut mich aber immer wieder fragend an. Also zeige ich ihm den Weg auf meinem Navi, immer gerade aus. Er schaut doof und drückt aufs Gas. Voll. Mich schiebt’s trotz der eher geringen Motorleistung in den Sitz. Affe von Taxifahrer guckt mich blöd an, schaut auf die Straße, sieht Straßenschilder und macht einen auf Michael Schumacher: left foot braking. Dummerweise hat er im linken Fuß genauso wenig Gefühl wie alle Menschen auf diesem Planeten, bis eben auf Michael Schumacher, so dass es mich mit Wucht dahin katapultiert, wo sonst der Airbag sein würde. Als ich mich wieder gefangen hab schnalle ich mich erst einmal an. Die gesamte Fahr verlief ungefähr nach diesem Schema: Vollgas, Fuß abrupt vom Gas, mich doof angucken, Vollbremsung, Motor gerade so nicht abwürgen, Runterschalten, Vollgas. Er hat nicht gestunken, aber er hätte glatt als Betrunken durchgehen können. Als er dann noch durch den Gegenverkehr gefahren ist und ich mich am Türgriff Festgeklammert habe, da dachte ich wirklich das wird meine letzte Taxifahrt. Vielleicht hätte ich ihm den Fahrstil noch durchgehen lassen, wenn er nicht in Ohrenbetäubender, der Streetparade in Zürich alle Ehre machend, chinesisches Volksmusikgedudel aus den Lautsprecher hätte schallen lassen und meine Waschmaschine eine halbe Stunde zuvor nicht den kompletten Wasserinhalt einer Waschladung über meinen verglasten Balkon ergossen hätte, weswegen ich ja noch aufwischen musste, die letzte Metro in die Stadt verpasste und überhaupt erst ein Taxi nehmen musste. Am Ende habe ich mich nicht zum angestrebten Ziel fahren lassen, sondern hab ihm irgendwann einfach das Geld hingeschmissen und bin  ausgestiegen.
Pierpaolo, ein Freund von mir aus Mailand, hat vor drei Jahren ein Semester in Shanghai studiert. Er hat mir geschrieben, am Anfang interessierst du dich, nach einem Monat hasst du es und nach 4 Monaten liebst du es. Ich denke er könnte recht haben. Auch wenn ich nach 2 Wochen schon voller Unverständnis für manche Dinge bin, wenn ich es nach 4 Monaten hier Liebe, soll es das Alles Wert gewesen sein.

Ein Tourist in Shanghai

Heute Abend war ich das erste Mal Touristen-like in Shanghai unterwegs. Bequeme Sachen, Kamera, Umhängetasche, und ab ging es zu Fuß durch die French Concession und später vom People’s Square an den Bund, um die Skyline von Pudong zu bestaunen. Was mir stark auffällt, ist der Hohe Kontrast den es hier zwischen den Vierteln, aber auch zwischen Haupt- und Nebenstraße gibt. Kaum kommt man einmal von einer Hauptroute ab, sind viele Dinge einfach, pragmatisch und bescheiden. 200 m weiter, an der nächsten Kreuzung stehen drei weitere Wolkenkratzer. Rund um das Stadtzentrum, vom People’s Square zum Bund gab es nur eins: strahlenden Glanz. Alles war sauber, hoooch gebaut, hell erleuchtet und von allen bestaunt. Ich muss zugeben, der Blick vom Bund auf die andere Flussseite, mit all den Hochhäusern – ich glaube das höchste Gebäude der Welt ist hier gerade im Bau – ist schon geil! Vieles Beleuchtet, auf einem Gebäude liefen Aktienkurse, auf einem anderen eine 4D-Projektion. Und natürlich sind viele Chinesen da, die ein Foto von sich im Herzen des Fortschritts ihres Landes schießen lassen wollen.
Die Aufheiterung der schönen Kulisse hatte ich auch nötig. Als ich am People’s Square losging, hatte ich noch ein großes Staunen und ein Lächeln im Gesicht. Dann bin ich in große, breite Shoppingstraße gekommen und alle paar Meter nahm meine Laune ab. Ein Lächelndes Gesicht wirkt anscheinend wie ein Magnet für alle Leute, die einem irgendwas andrehen wollen. Am Anfang waren es Laserpointer, Aufsätze für die Schuhe mit Rollen drunter, kleine Dinge die man in den Himmel schoss und die Leuchteten; später wollte man mich mit in Night-Clubs nehmen, bat mir Massagen von schönen Frauen an und mit einem zwinkernden Auge auch besondere Dienstleistungen. Alles lehnte ich dankend ab. Am Ende der Straße waren meine Laune und meine Geduld aufgebraucht und ich zog eine ganz miese Fratze. Das hat die Leute dann soweit abgeschreckt, mich ohne Interaktion passieren zu lassen.
Früher am Tag beim Abendessen, ein ganz anderes Bild. Direkt um die Ecke von meiner Wohnung ist ein kleiner Imbissladen. Inhaber, Eltern und Kind sind ständig anwesend, der Laden ist klein und keiner Spricht Englisch. Obwohl ich nicht mehr als Hallo, Danke und Tschüss sagen kann, per Fingerzeig auf das gewünschte Menu bestellen muss und mich – aus chinesischer Sicht – wahrscheinlich furchtbar beim Essen benehme, erkennen mich die Leute, grüßen auf der Straße beim vorbeigehen, und bereiten mir jedes Mal ein fantastisches Abendessen zu. Natürlich bin ich beeindruckt von der Skyline, der Architektur und dem Schwall an Eindrücken, die das Zentrum hier zu bieten hat. Aber begeistern kann ich mich am Ende wohl eher für die netten Leute aus dem kleinen Imbiss um die Ecke.
Auch deswegen will ich morgen zum Tag der offenen Tür einer Sprachschule hier gehen. Nachdem ich nun nach dem zerhackten Hühnchen, gestern noch eine Suppe mit einem vollständigen, in Stücke gebrochenen Krebs – vielleicht war es auch eine Krabbe – hatte, ist es denke ich doch mal an der Zeit ein wenig Chinesisch zu lernen, um wenigstens zu verstehen was auf der Karte steht und angenehmes Essen bestellen zu können. Zwar war das rote Ding, wenn man sich denn mal zum Fleisch durchgekämpft hat, mit seinen 8 Beinen und zwei Scheren sehr lecker, aber ich bin sicher es gibt auf den Karten der Restaurants hier noch andere Dinge, die man vielleicht doch nicht essen möchte.
Vor dem Umfangreichen Abendessen habe ich mich gestern getraut vor der Haustür joggen zu gehen. In schwarzer Badehose und mit RWTH-University T-Shirt war ich gestern eine halbe Stunde unterwegs. Ich hätte eine Kamera mitnehmen sollen! So viele lachende oder überraschte Gesichter habe ich selten gesehen! Wahrscheinlich würden wir nicht anders gucken, wenn sich bei uns jemand als Panda verkleidet und über die Busspur rennt. Wie auch immer, das Joggen war klasse, um Jiuting ein wenig besser zu erkunden. Wenn ich demnächst noch ein günstiges Fahrrad finde, bieten sich da demnächst vielleicht noch ganz andere Möglichkeiten.
Die Fotos von meiner heutigen Touri-Tour wird es erst Morgen geben; jetzt ist es Zeit für ein Frankfurter Körnerbrot, mit einer guten geräucherten Bratwurst dazu.

Ich glaub ich ess’ heut Abend mal… chinesisch!

Nun ergibt sich einmal etwas Zeit, um über meine erste Woche hier in Shanghai zu berichten.
Als ich letzten Montag hier ankam war die Wohnung, die ich eigentlich schon zugesichert bekommen habe, bereits anderweitig vergeben. Soviel zur mündlichen Zusage eines Vermieters. Mithilfe einer Bekannten hier aus der Stadt habe ich aber für Dienstag eine andere Wohnung gefunden und musste nur eine Nacht im Hotel schlafen. Jetzt habe ich 30m² anstatt 60m², aber es ist eine Wohnung. Inzwischen ist das Meiste der Einrichtung da und funktioniert auch. Die Wohnung liegt direkt an der Metrostation, wo morgens auch der Shuttlebus in die Firma losfährt. Ich lebe hier ausschließlich unter Chinesen, und die meisten schauen verwundert oder interessiert wenn sie mich sehen. Fast niemand spricht Englisch, weshalb ich mich im Moment noch mit Händen und Füßen verständigen muss. Es ist zwar alles sehr einfach gehalten hier, teilweise stinkt es ein wenig auf den Straßen und es liegt viel Schutt und Müll herum, aber es ist alles andere, als zurückgeblieben oder ländlich. Der Verbund von Häusern, in dem ich wohne, hat seine eigenen Schranken und Sicherheitskontrollen für Autos die hier durchfahren möchten und es laufen immer 3 – 5 Wachleute durch die Straßen, oder bewachen die Häusereingänge. Vorteil an der Sache ist auch, dass es sehr viele kleine und sehr günstige Läden und Restaurants – man könnte auch Imbissbude sagen – gibt. Für mein Frühstück zahle ich 4 Yuan bei einer Frau, die hervorragende Dampfnudeln macht. Das sind umgerechnet keine 50 Cent. Ein Abendessen kostet zwischen 14 und 20 Yuan. Man bekommt an der Straße auch frisch gegrillte Fleischspieße, frisch geschältes und entkerntes Obst und die verschiedensten anderen Leckereien. Ich habe noch bei weitem nicht alles probiert, aber ich übe mich!
In die Stadt sind es mit der Metro 20 – 50 Minuten, je nachdem wohin man möchte. Bisher habe ich nur einen der drei Hauptbahnhöfe, Xujiahui und Hungmei Lu gesehen, aber es ist ja noch ein wenig Zeit. Als ich das erste Mal aus der Metro auf die Straße im Zentrum gekommen bin ist mir einfach der Mund offen stehen geblieben. Es ist eine andere Welt. Hochhäuser, Leuchtreklame gegen die Piccadilly Circus wie eine alte Glühfadentaschenlampe mit schwachen Batterien aussieht, riesige Plätze, Straßen, Brücken, Parks; überall Smartphones und Menschen die so neumodisch angezogen sind, dass ich mir daneben wie der letzte Bauer vorkomme. Alles, was irgendwie als westlich durchgeht ist hier begehrt und der absolute Brüller; die Leute sind im Konsumwahn! Leider ist der Geschmack hier nicht bei allen so schnell gewachsen, wie das Angebot. Es gibt also immer wieder schrecklich schrille Kombis aus orangenen Netzhäkelhemden mit pinken Miniröcken, die nicht kürzer sein müssten, um als Unterwäsche durchzugehen und Schuhen, die sich mir jeglicher Klassifizierung entziehen. Dass bei uns keiner so rumläuft interessiert hier niemanden.
Die Gegend um Hungmei Lu ist übersät mit Restaurants und Bars. Auch Papa’s Bierstube gibt’s hier. Viele Menschen sprechen englisch und man bekommt alternativ zu Chinesisch auch anderes Essen. Dementsprechend finden sich auch viele Urlauber hier. Hongmei Lu ist sicherlich ein Beispiel für die totale Reizüberflutung, der man hier – als Europäer – jeden Tag ausgesetzt ist. Gehupt wird hier prinzipiell nicht nur als Beschwerde, Vorsichtsmaßnahme, sondern auch einfach zur Information: hier komme ich; also eine ganze Menge. Jeder der 5 Milliarden Roller, die auf Shanghai’s Straßen unterwegs sind, ist auch mit einer Alarmanlage ausgerüstet. Die meisten davon springen bei einem Berühren des Rollers schon an. Manchmal sogar, wenn man zu nah daran vorbeiläuft. Daraufhin ertönt eine Sinfonie mehrerer seriell abgespielter Alarmtöne. Reihenfolge und Tonlage sind dabei immer gleich. Jetzt weiß ich nicht, ob das so vorgeschrieben ist, oder ob es nur einen Hersteller für diese Alarmanlagen gibt und es ist mir prinzipiell auch egal. Die Dinger sind nämlich scheisse laut! Lauter sind glaube ich nur die Lautsprecher in allen öffentlichen Einrichtungen, die da wären Metro, Bus, Vergnügungspark, Bank, Beamtenmegaphone und die Tastentöne an allen Geldautomaten. Man muss sich öfters die Ohren zuhalten.
Ein Vorteil der vielen Roller ist der elektrische Antrieb. Die Luft in der Stadt ist nicht halb so schlecht, wie man es vielleicht erwarten würde. Dafür sind diese Scooter einfach unglaublich langsam, wie ich gerade selbst erfahren habe, als meine Vermieterin mich auf so einem – quasi Elektrofahrrad – durch die Stadt gefahren hat. Allgemein halte ich die Fahrkünste, nicht nur meiner Vermieterin, sondern der meisten Straßenverkehrsteilnehmer hier aber eher für schlecht. Entweder kann man hier auf sich aufpassen, man lernt es schnell oder man lernt es niemals. Mir ist gestern der Spruch herausgerutscht „Manche Leute hier fahren so schlecht, die schaffen’s sogar einen E-Motor abzuwürgen!“
Neben dem Verkehr war ich gestern ziemlich deprimiert, als ich die Ursache für den Gestank in meiner Küche gefunden habe. Unter dem Spülbecken im Schrank ist mir aufgefallen, dass da gar kein Siphon verbaut ist! Dass sowas überhaupt möglich ist, will mir nicht in den Kopf. Pantomimen-Style musste ich mir spontan überlegen, wie ich das jetzt meiner Vermieterin erkläre, dass hier der Siphon fehlt und es deswegen stinkt! Ich hab ihr ein Bild von einem Siphon gezeigt und sie kurz am Abfluss riechen lassen, das hat sie recht schnell verstanden ;)   Auch als ich gestern mein Bett endlich aufgebaut habe und mich auf die Matratze gelegt habe, dachte ich mich trifft der Schlag. Nachdem die Matratze nicht durch den schmalen Treppenaufgang gepasst hat, wurde extra eine neue angefertigt, die man in der Mitte zusammenfalten kann. Beim Händler durfte ich sogar probeliegen, welche Matratze am bequemsten ist. Es stellte sich heraus, dass die Matratze einen Stahlfederkern hat. Dieser wird getragen von einem Rahmen, der aus einem Rundstab aus Stahl besteht und geschätzte 5 mm Durchmesser hat. In der Mitte der Matratze, da wo man sie jetzt falten kann, laufen also zwei… dieser Rundstäbe parallel von der linken Seite, zur rechten Seite der Matratze; und zwar genau in der Mitte. Einige von euch werden bemerkt haben, dass man in der Mitte der Matratze genau mit der Hüfte aufliegt. Und das ist einfach nicht bequem. Man kann zwar ein wenig nach Oben oder Unten rutschen, aber so richtig bequem ist alles nicht. So viel Weitsichtigkeit hätte ich mir dann doch gewünscht, sich bei dieser – sicherlich nicht günstigen – Matratze eine andere Lösung zu überlegen.
Einerseits gibt es einige Dinge, die ich nicht nachvollziehen kann. Auf der anderen Seite passiert es aber auch immer wieder, dass ich völlig entgeistert stehen bleibe, weil ich Sachen sehe, die ich einfach nicht für möglich gehalten hätte. Ein Rollerfahrer, der 8 Gasflaschen zwischen seinen Beinen transportiert. Eine junge Frau, die am Einlass zu einem Garten ihren Personalausweis vorliegt, sagt sie wäre von einer anderen Universität und ihre Karte deswegen anders ausschauen würde und den Rabatt bekommt. Eine IT-Abteilung, die einen Rechner für einen Praktikanten, der noch keinen Vertrag hat, bereits am ersten Morgen bereitstehen hat. Ein Umzugshelfer, die im 14. Stock die Fenster demontieren, um die Matratze, die einfach nicht durchs Treppenhaus passen will, mit Seilen an der Außenwand entlang hochziehen, um sie Oben wieder durch das Fenster rein zu holen. Und natürlich das Essen.
Ich muss zugeben, heute Abend hatte ich eine kleine Überraschung beim Abendessen. Mal wieder gab es auf der Karte keine Bilder und keiner Sprach Englisch. Also habe ich ein Hühnchen imitiert. Nach einer Weile kam auch tatsächlich ein Essen. Zerhacktes Hühnchen mit grünen Stängelchen. Obwohl das Fleisch noch am Knochen war und als besondere Delikatesse Hühnchenfüße, Hals und weitere mir nicht bekannten Teile in diesem Topf waren, galt meine erste Aufmerksamkeit dennoch diesem grünen Etwas. Sollte es etwa, ich probierte, ja -.-  es war Sellerie. Und ich hasse Sellerie!! Ich gebe zu, ich habe die Sellerie den Krähenfüßen vorgezogen, aber an meiner Abneigung gegen dieses Gewächs hat sich auch weiterhin nichts geändert. Das Erlebnis heute war sicherlich eine Ausnahme; und vielleicht noch das Essen gestern, als sich herausstellte, dass wir Darm gegessen haben. Aber sonst schmeckt es immer vorzüglich! Dampfnudeln mit Hackfleischfüllung zum Frühstück, verschiedene leckere kleine Gerichte am Mittag und abends meist einen riesen Pott Suppe mit Nudeln und leckerem Fleisch ohne Knochen.
Die Leute sprechen nach einer Reise nach China oft von einem Kulturschock. Und das ist auch genau der Grund, warum ich unbedingt hierher wollte. Selber zu verstehen, was dieses Wort Kulturschock bedeutet. Nach einer Woche glaube ich, dass es diese vielen Momente der puren Ungläubigkeit sind. Wenn die Erfahrungen und die festen Überzeugungen aus 25 Jahren Lebenszeit einem in einem einzigen Augenblick als unvollständig oder fehlerhaft aufgezeigt werden. Wenn man fassungslos stehen bleibt und durch eine nie für möglich gehaltene Aktion aufgezeigt bekommt, wie selbstbeschränkt man sein kann, ohne es zu bemerken. Das ist für mich ein Kulturschock. Und ich genieße es sehr.

Mein Stand der Einbürgerung

Seit Montag bin ich nun in Shanghai und wohne in der China-Town. Hier bin ich so ziemlich der einzige Lao Wei und werde immer und bei Allem von den Leuten hier angeschaut und beobachtet. Mit der Zeit nimmt auch meine Wohnung ein lebenswertes Maß an. Seit gestern habe ich eine Matratze, Gas und warmes Wasser, seit einer Stunde Internetzugang und einen Tisch mit Stühlen. Dennoch gibt es noch viel zu tun, aufzubauen, einzukaufen und zu putzen. Darum gibt es einen ausführlicheren Bericht auch erst in den nächsten Tagen.

Ob ich mich schon wohl fühle? Ich sage mal, ich esse meine Stadtwurst gerade mit Stäbchen =)   Sonst genieße ich aber das Imbissbudenleben direkt vor meiner Haustür. Also ja, es geht mir durchaus blendend hier. Mal sehen, wie das so weiter geht.

Nächster Halt: Shanghai

Sonntag Abend ist es soweit, die nächste Reise kann beginnen. Über Nacht geht es nach Shanghai, wo ich bis Ende September Praktikum bei der Firma ZF Friedrichshafen machen darf! Eine 60m² Wohnung, 23 Millionen Einwohner und der Rest Chinas warten bereits auf mich. Oder vielleicht doch eher andersherum ;)

Ich freue mich schon auf das Leben im Reich der Mitte und hoffe euch viele spannende Fotos und Geschichten bieten zu können. Also schaut mal wieder öfters rein, es könnte interessant werden!

Euch allen in Deutschland einen schönen Sommer!

New Years Eve

While I was at home, cooking with my family, we came to the subject of old things: Keeping them for their sentimental value, or throwing them away to prevent your house / flat / room from clogging up with old and mostly useless stuff.
At that time, I was a bit disappointed my dad threw away my first mobile phone. Especially, because it had Snake I on it, in my opinion one of the all-time great mobile phone games. The next second, my brother gave me his iPhone, started a Snake app and asked me, which phone (which skin) I want to play it on.
This was terrific! But why is it, that some good old things never seem to get boring or out of style? How come they are revived in emulators, apps and new editions, like the settlers? Are they really that brilliant or is it just child-hood memories? Sure today there are fivethousand games called Snake with amazing graphics and different Levels, but for me the first one will always be the special one.
One reason, I think, why Snake I was an epic success, is that not much more was possible at the time, than a broad and long, moving pixel, eating small and stationary ones. And it still puts a huge smile on your face today, if you forget about fancy 3D effects and billions of useless options. Modesty is what I’m talking about.
If you don’t expect too much from something, it is easier to like it! We get lots of new innovations, 3D cinema as my favourite example, and most of us don’t even think about whether we need them at all and just accept and request them further on. I think it can only help to question new products, innovations and techniques; to be modest. To focus on the key aspects that are really important and hopefully, get along with more things we like, apples… bananas… and so on. So be modest and be happy =)

I wish you all a very very happy new year!